Worauf sollten Eltern achten?

Ein Teil der Kieferanomalien ist vermeidbar. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Eltern schon vom Säuglingsalter an die Beiß-, Saug-, Atem- und Schluckgewohnheiten ihrer Kinder genau beobachten und nicht so lange warten, bis dem Zahnarzt irgendwann einmal bei einer Zahnbehandlung die Kiefer- oder Gebissfehlbildung auffällt.

Hier ein paar der wichtigsten Ratschläge, die helfen können, Zahnstellungs- und Kieferanomalien zu vermeiden:

Geben Sie dem Säugling, wenn er lutschen will, einen Beruhigungssauger. Den können Sie ihm eines Tages wieder wegnehmen, den Daumen nicht.
Beobachten Sie Ihr Kind beim Beißen, Saugen, Atmen und Schlucken. Schädliche Gewohnheiten, wie das Beißen oder Saugen an den Lippen, Fehlfunktionen der Zunge oder falsche Schluckgewohnheiten führen zu Fehlbildungen der Kieferbögen und zu Sprechfehlern.
Kontrollieren Sie regelmäßig die Gebissentwicklung. Fehlstellungen der Zähne im Milchgebiss kann man gut erkennen: Als Folge des Lutschens entsteht oft ein sogenannter „offener Biss“, dass heißt, die Frontzähne berühren sich nicht mehr in der Abbissstellung, sondern klaffen mehrere Millimeter auseinander.
Beobachten Sie genau den Biss Ihres Kindes. Stehen die oberen Frontzähne weit vor den unteren, liegt eine sogenannte „Frontzahnstufe“ vor, die frühzeitig behandelt werden sollte. Die Ursache ist ein zu schmaler Oberkiefer, möglicherweise als Folge von Lutschgewohnheiten. Beißen dagegen die oberen Frontzähne fälschlicherweise nicht über, sondern hinter die unteren Frontzähne, liegt ein sogenannter „umgekehrter Überbiss“ vor. Auch hier kann nur ein frühzeitiges Erkennen und Behandeln eine Wachstumshemmung des Oberkiefers, eine spätere zeitaufwendige Behandlung oder, in extremen Fällen, gar ein größerer operativer Eingriff vermieden werden. Ist der Mund schief beim Zusammenbiß liegt ein sogenannter „Kreuzbiss der Seitenzähne“ vor, der den Unterkiefer zu einer Seite hin verlagert. Diese Belastung führt später oft zu Kiefergelenkbeschwerden.
Ein genereller Rat: Lassen Sie Ihr Kind, sobald es sechs Jahre alt ist, von einem Kieferorthopäden genau untersuchen. Er kann Ihnen sagen, ob eine Frühbehandlung angezeigt ist oder ob mit noch einfacheren Maßnahmen im Milchgebiss eine regelrechte Gebissentwicklung gesichert werden kann. Häufig kann durch den Einsatz einer Mundvorhofplatte ein Großteil der noch entwickelnden Gebissanomalien vermieden werden.

Noch ein Hinweis zur eigenverantwortlichen Selbsthilfe:
Er betrifft die Erhaltung des naturgesunden Milchgebisses. Der vorzeitige Verlust – oftmals nur eines einzigen Milchbackenzahnes – führt häufig schon zu einer Kieferanomalie. Die noch nicht durchgebrochenen Seitenzähne drängen nach vorn und verengen den Platz für die bleibenden Zähne. Gerade die Seitenzähne des Milchgebisses müssen im 9. bis 11. Lebensjahr den Platz für die bleibenden Zähne erhalten.

Hier hilft nur eine systematische Mundpflege vom Kleinkindalter an. Hilfreich ist auch eine Fluoranreicherung des Schmelzes durch Tabletten oder durch Zahnpasten, die mit Fluoriden versetzt sind. Wir Kieferorthopäden befürworten Fluoridierungsmaßnahmen, deren hilfreiche Wirkung weltweit bewiesen ist. Auch sind wir, wie alle Zahnärzte, für eine „zahngesunde Ernährung“ ohne zuckersüße Zwischenmahlzeiten. Und wir sind für den mindestens zweimaligen Besuch pro Jahr beim Zahnarzt als vierte Säule zur Zahngesundheit.

Kieferorthopädische Behandlungen im Milchgebiss sind eine Prophylaxe für das bleibende Gebiss, ja für das ganze Kiefer-Gesichtssystem.

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